Mit Holz Geschichten erzählen

am

Manche Leidenschaften warten
geduldig. Jahrzehntelang. Und
wenn der richtige Zeitpunkt
gekommen ist, sind sie plötzlich
wieder da – als wären sie nie
verschwunden. So ist es bei Kurt
Lechner aus Loquard.

Kurt Lechner Arbeitsproben

Wenn Kurt Lechner an seinem Werktisch sitzt, braucht er vor allem eines: Geduld. Vor ihm liegen hauchdünne Furniere aus Ahorn, Nussbaum, Mooreiche oder Padouk. Jedes Holz besitzt seine eigene Farbe und Maserung. Farbe aus der Tube kommt für ihn nicht infrage – seine Bilder entstehen ausschließlich aus den natürlichen Farbtönen edler Hölzer.

Mit ruhiger Hand zeichnet er sein Motiv, fertigt Schablonen an und schneidet jedes einzelne Teil millimetergenau aus. Erst nach vielen Stunden fügen sich die kleinen Holzstücke zu einem Bild zusammen. Was auf den ersten Blick wie ein Gemälde wirkt, ist in Wirklichkeit eine kunstvolle Intarsie.

„Viele glauben zunächst, die Bilder seien gemalt“, erzählt Kurt Lechner lächelnd. „Dabei entsteht jede Schattierung allein durch das Holz.“

Für Kurt Lechner ist diese Handwerkskunst mehr als ein Hobby. Sie begleitet ihn seit seiner Jugend. Geboren wurde der heute 68-Jährige 1957 im niederösterreichischen Langschlag. Nach einer Ausbildung zum Maschinenbautechniker besuchte er in Linz Abendseminare für Grafikdesign und Formgebung beim italienischen Künstler Giuseppe mPiresi. Dort legte er den Grundstein für sein späteres künstlerisches Schaffen.

1987 führte ihn die Liebe nach Ostfriesland. Gemeinsam mit seiner Frau Elke zog er nach Loquard. Dort wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und machte seine Leidenschaft zum Beruf.

Schon bald sprach sich seine außergewöhnliche Arbeit herum. Städte und Gemeinden ließen ihre Wappen als kunstvolle Holzintarsien anfertigen. Sie wurden als Gastgeschenke oder Ehrengaben überreicht. Rund 200 Wappen entstanden damals in seiner Werkstatt.

Doch Lechner wollte mehr als Heraldik. Neben Wappen schuf er Landschaften, Tiere, maritime Motive und Architektur. Besonders ostfriesische Wahrzeichen wie das Emder Hafentor oder Fischkutter fanden ihren Weg in seine Bilder. Auch abstrakte Arbeiten entstanden – stets aus sorgfältig ausgewählten Hölzern.

Eine Intarsie verlangt höchste Präzision. Für jedes einzelne Holzelement wird zunächst eine Schablone gefertigt. Anschließend sucht Lechner die passende Holzart aus, schneidet das Furnier aus und setzt alle Teile zu einem Gesamtbild zusammen. Jeder Farbton stammt allein aus der Natur des Holzes.
Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz seiner Arbeiten. Sie verbinden handwerkliche Perfektion mit künstlerischem Gespür.

1989 führte ihn der Berufsweg zurück in die Technik. Mehr als drei Jahrzehnte arbeitete Kurt Lechner wieder als Maschinenbautechniker in Emden. Seine Leidenschaft für die Intarsienkunst blieb jedoch erhalten.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand fand er schließlich den Weg zurück an den Werktisch. Seit 2025 arbeitet er wieder intensiv an neuen Werken, hat in seinem Wohnhaus einen Ausstellungsraum eingerichtet und nimmt erneut an Ausstellungen teil.

Seine Bilder erzählen Geschichten – von ostfriesischen Landschaften, historischen Wappen und maritimen Szenen. Vor allem aber erzählen sie von einem Menschen, der seiner Leidenschaft über Jahrzehnte treu geblieben ist.

In einer Zeit, in der vieles schnell entstehen muss, wirkt Kurt Lechners Kunst beinahe entschleunigend. Jede Intarsie besteht aus Hunderten kleiner Einzelteile. Erst ihre sorgfältige Verbindung macht daraus ein Ganzes.

Vielleicht ist genau das die schönste Botschaftseiner Arbeiten: Aus Geduld, handwerklichem Können und der Liebe zum Detail entsteht etwas Bleibendes.

Neugierig geworden? Dann lohnt sich ein Besuch der nächsten Ausstellung von Kurt Lechner. Vom 8. bis 28. August sind seine Intarsien in Campen zu sehen. Wer die filigranen Arbeiten einmal im Original betrachtet, entdeckt Details, die auf Fotos kaum zu erkennen sind. Außerdem bietet sich die Gelegenheit, den Künstler persönlich kennenzulernen und mehr über diese selten gewordene Handwerkskunst zu erfahren.

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