
Eine Sternwarte auf Rädern? Ja, das geht. Die mobile Sternwarte reist seit Ende Juli durch die Region und soll den Menschen den Nachthimmel näher bringen.
Seit jeher haben die Menschen zum Himmel aufgeblickt und sich gefragt, was sich jenseits unserer Erde verbirgt. Es ist diese angeborene Neugier, die uns dazu treibt, nach den Sternen zu greifen und die Geheimnisse des Kosmos zu erforschen. Zahlreiche technische Fortschritte wie präzise Zeitmessung, Satellitenkommunikation, Fernsehen und GPS-Navigation wurden erst durch die Himmelsforschung ermöglicht.
Doch die zunehmende künstliche Beleuchtung macht es den Menschen immer schwerer, allein schon das Band der Milchstraße zu erhaschen. Die faszinierende Schönheit des Nachthimmels droht im Glanz der Stadtlichter zu verblassen.
Eine Sternwarte für die Region
Um die Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren und ihnen einen einfacheren Zugang zum Nachthimmel zu ermöglichen, wurde jetzt von der LEB Weser-Ems/Nord und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg eine mobile Sternwarte gebaut. Eingeweiht wurde das „Tiny Observatorium“ am 21. Juli und gastiert seitdem an wechselnden Standorten in der Region Weser-Ems. „Das Observatorium soll erste astronomische Erfahrungen ermöglichen, Aufnahmen von Objekten durchführen und interessierte Bürgerinnen und Bürger an Forschungsfragen beteiligen“, erläutert Professor Björn Poppe, der für Teleskope und Computertechnik an Bord der Sternwarte verantwortlich ist.

Das „Tiny Observatorium“ befindet sich in einem Kofferanhänger aus Voll-Aluminium, auf dessen Dach eine zwei Meter große Kuppel sitzt. Im Inneren verstecken sich zwei Teleskope, die per Computer ferngesteuert werden können. Besucher können so einen Blick ins Universum werfen und neben Mondkratern und Saturnringen auch fremde Galaxien und Supernova-Überreste mit ihren eigenen Augen entdecken. Dank moderner Kameras können auch direkt Aufnahmen von den jeweiligen Objekten gemacht werden. Das mobile STELLINA-Teleskop kann zudem per QR-Code das aktuelle Bild direkt aufs Handy der Besucher übertragen.

Das „Tiny Observatorium“ ist ein Projekt der Ländlichen Erwachsenenbildung Weser-Ems/Nord und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.
Ausstattung:
- 180/2700 mm Maksutov-Teleskop und
- 130 mm f/7 TS-Optics CD-APO
- auf einer Kombimontierung
- STELLINA Apochromatischer Refraktor
- AP 80/400
- Allsky7 & Allsky8 Meteoriten-Kameras
- Sky Quality Meter & Alpy600 Spektrometer (messen die Lichtverschmutzung)
Zusätzlich nehmen zwei AllSky-Kameras den gesamten Himmel auf, um zum Beispiel Meteoriten und atmosphärische Erscheinungen wie Polarlichter aufzuzeichnen. Mithilfe eines weltweiten Netzwerks können so zum Beispiel besonders helle Meteoriten, sogenannte Feuerbälle, verfolgt und ihr möglicher Einschlagsort berechnet werden. Die erhobenen Messdaten sollen später weiterverwertet und veröffentlicht werden, damit Interessierte sich aktiv an wissenschaftlichen Forschungen beteiligen können.

Zusammen mit der Universität arbeitet die LEB Weser-Ems/Nord im Moment noch an passenden Begleitprogrammen für verschiedene Zielgruppen, um den Besuch des „Tiny Observatoriums“ für jung und alt zu einem Erlebnis zu machen. Vorgesehen sind Führungen vor Ort und digital, aber auch Workshops sind geplant, um die Neugier der Menschen zu wecken und sie für die Wissenschaft zu begeistern. Die Führungen werden unter anderem von den Mitgliedern des Astronomie-Netzwerks Weser-Ems und sogenannten Dark Sky-Guides übernommen.
Das Universum auf Tour
Unter dem Motto „Mars trifft Stadt“ erwartet Interessierte in Oldenburg bis zum bis 21.08. zahlreiche Veranstaltungen. Im Anschluss folgt bis zum 27.08. die Roadshow „Universe on Tour“ auf dem Schlossplatz. Passend zum Wissenschaftsjahr 2023, das sich dem Thema „Unser Universum“ widmet, wird ein mobiles Planetarium aufgebaut, das Besuchern Einblicke in aktuelle astronomische Forschungen bietet und sie auf eine Reise durchs Universum mitnimmt.
Die Show wird von einer Ausstellung begleitet, die über die Rolle von Licht als Informationsträger informiert und die Auswirkungen von Lichtverschmutzung zeigt. Denn heute bieten nur noch sehr wenige Orte in Deutschland einen ungestörten Blick auf den Nachthimmel. Gerade in städtischen Gebieten sind nur noch die hellsten Sterne sichtbar. Oft ist die Beleuchtung falsch ausgerichtet oder stärker als benötigt und könnte durch einen gezielteren Einsatz Streulicht vermeiden. Das würde nicht nur den Nachthimmel schützen, sondern auch den natürlichen Biorhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen bewahren.
Die Reise des „Tiny Observatoriums“ geht am 18.09. weiter nach Carolinensiel, wo es bis zum 06.10. im Gulfhof Friedrichsgroden stehen wird. Im Anschluss steht die mobile Sternwarte beim Dorfgemeinschaftshaus in Zwischenbergen (Wiesmoor). Hier bietet der Astronomie Club Ostfriesland e.V. mehrere Beobachtungsabende an, unter anderem auch am 28.10. zum Astronomietag, an dem eine partielle Mondfinsternis stattfindet. Der Mond wandert dabei zum Teil durch den Erdschatten und wird davon verdunkelt.
Ein Feld voller Teleskope
Unter schönem dunklen Landhimmel bietet sich vom 07.10. bis zum 15.10. ein weiteres Highlight: Auf der Wiese hinter dem Dorfgemeinschaftshaus finden die 17. Astronomietage Ostfriesland statt. Ein Teleskoptreffen, zu dem jedes Jahr Hobbyastronomen aus ganz Deutschland anreisen. Es bietet für Besucher die perfekte Gelegenheit, einen Blick durch zahlreiche Teleskope verschiedenster Größen zu werfen, eine kleine Himmelsführung zu bekommen oder zu erfahren, ob der helle Stern am Horizont nicht vielleicht doch der Planet Venus ist.

Gerne helfen die Mitglieder des Astronomie Clubs Ostfriesland e.V. auch Neueinsteigern bei der Kaufberatung, denn schon mit einem Feldstecher oder einem kleinen Teleskop kann man Mondkrater, Planeten, Sternhaufen und hellere Galaxien sehen. Farben, wie man sie vom James Webb oder Hubble kennt, darf man allerdings nicht erwarten, da das menschliche Auge bei Dunkelheit nur noch Helligkeitsunterschiede wahrnimmt. Und bis sich die Augen vollständig an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann es 20 – 30 Minuten dauern. Schon ein Blick aufs Handy reicht, um die Dunkeladaption zu zerstören. Deshalb nutzen Hobbyastronomen meist rotes Licht, da es für die Augen weniger störend ist als weißes Licht.
Während der Astronomietage Ostfriesland haben auch Schulklassen die Möglichkeit, Führungen mit dem „Tiny Observatorium“ zu erhalten. Mehr Infos zu den Beobachtungsabenden und dem Teleskoptreffen erhalten Sie auf der Seite des Vereins: www.astronomie-club-ostfriesland.de
Ab dem 05.11. steht das „Tiny Observatorium“ dann bis Anfang Dezember beim Jade InnovationsZentrum (JIZ) in Wilhelmshaven. Der Astronomische Verein Wilhelmshaven-Friesland e.V. bietet an mehreren Dienstagen und Samstagen Beobachtungsabende. Zusätzlich finden an Samstagen Vorträge zu verschiedenen astronomischen Themen statt. Weitere Infos finden sich auf der Webseite des Vereins: www.astronomie-whv-fri.de



